Der Vergleich zu Qi Gong

Vgl. Tai Chi zu Qi Gong

Tabellarischer Vergleich


(mit freundlicher Genehmigung von Gottfried Michael Rinner, Freilassing, im September 2008 bzw. August 2010)
Anmerkung: Linkadressen mit vorangehendem Pfeil verweisen auf Glossareinträge im angeschlossenen Mitgliederforum

Für Fortgeschrittene:

a.) Qi Gong

Qigong entspringt dem menschlichen Bedürfnis "Macht" und "Kontrolle" auszuüben, die Natur zu beeinflussen und zu kontrollieren.

Es geht darum, Wechselwirkungen zu ergründen, zu verstehen und diese bewusst zu beeinflussen (Verstärken oder Vermindern).

Prämisse:
Je bessere Kenntnis und "Beherrschung" der Wechselwirkungen ("Elemente"), desto besser die Einflußnahme, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen.
Hauptintention Qi Gong:

Veränderung und Einflussnahme auf das Leben und den Körper
(...und selbstverständlich auf "krankhafte Zustände").

Grundlagen und "Erklärungsmodell"
(das "System") von Qi Gong

sind die sogenannten fünf chinesischen "Elemente" - im Grunde ist "Element" ein Übertragungsfehler, welcher sich dennoch im Westen hartnäckig hält - eigentlich: Die fünf Wandlungsphasen ("Wu hsing" oder auch "Wuxing", "wu ging", "wu jin", oder "wu chin" - gesprochen: "wu tsching").
Anmerkung: "Wu" steht für "fünf" und "hsing" (bzw. "xing", "ging", "jin" oder "chin") bedeutet soviel wie: "Benehmen", "Verhalten" oder auch "reisen".
Diese Wandlungsphasen gehen zwar ursprünglich ebenfalls auf die "polaren Komplementäre" ("yin und yang") zurück, haben sich aber völlig vom Ursprung (dem "I Ging") gelöst.

b.) Tai Chi

Tai Chi entspringt dem Bedürfnis nach "Vereinigung", Einklang mit sich und der Umwelt wieder zu finden, zu vertiefen, zu empfinden.

Harmonie zu erreichen und zu erhalten: "Eins sein".

Prämisse:

Je besser das Verständnis von "TAI CHI" und der "Manifestationen" in "den zehntausenden Dingen" (so bezeichnen die Chinesen den Kosmos, die Natur, den Menschen und Alles, was diese, unsere, Existenzebene ausmacht und enthält), desto besser die Chance, sich diesem Rhythmus "hinzugeben", den natürlichen Rhythmen zu folgen, zu vertrauen und damit in Einklang zu leben und zu handeln.

Hauptintention Tai Chi:

"leben" und "natürliche" Weiterentwicklung in/mit "→Wu Wei".
Agieren, wenn Aktion nötig und erforderlich, sowie Passivität ("Geschehen lassen"), wenn Passivität und "Widerstandslosigkeit" nötig.

Grundlagen und "Erklärungsmodell"
(das "System") von Tai Chi (Chuan)

ist "TAI CHI" mit "yin und yang", den "Mischungsformen" sowie die "→Ba Gua" (dargestellt auch mit den →Trigrammen), welche (wahrscheinlich) erstmals in der/den Dokumentation(en) des "→I Ging" aufgezeichnet wurden.

Exkurs: ...und später(!) sowohl von Laotse (Laozi) in "die Lehre" des sogenannten Taoismus (Daoismus), als auch in die Lehren von Konfuzius (Kongtse) mit eingeflossen sind. Man kann sagen: Zwei unterschiedliche Interpretationen und Ansichten mit gleichem Ursprung!

 

Schlussfolgerungen:

5 Wandlungsphasen des Qi Gong ≠ 8 "Kraftwirkungen" (Manifestationen) des Tai Chi (Chuan) !!!

Das heisst auch beispielsweise:

"Feuer" in Qi Gong - UNGLEICH - "Feuer" in Tai Chi !

 

Beispiel unterschiedliche Betrachtung der Ausprägung von "yin" und "yang":

  • In Qi Gong wird (simplifizierend)
    yang mit der Wandlungphase "Feuer" gleichgesetzt
    und
    yin mit der Wandlungsphase "Wasser"

  • In Tai Chi (Chuan) entspricht:
    "reines yang" der "Kraftwirkung" "Himmel" (= 3fach yang)
    und
    "reines yin" der "Manifestation" "Erde" (= 3fach yin)


Generell bedeutet dies:

Bewegungen UND Prinzipien von Qi Gong unterscheiden sich
von den Bewegungen UND Prinzipien des Tai Chi (Chuan)!

 

Berechtigte Frage:

Warum machen viele Tai Chi - Lehrer dann Qi Gong - Übungen vor oder während des Tai Chi -Trainings?

Antwort 1: Weil sie es nicht besser wissen.

oder:

Antwort 2: Weil manche →Schulen/Lehrer sich durch den Einsatz von Qi Gong schnellere und raschere Ergebnisse im Fortschritt bei Tai Chi erhoffen.

Die Problematik dabei:

Da weder die "innere Haltung" (mentale Einstellung, Imagination, ..., "Hintergründe") noch die Ausführungen (Körperstellung, Haltung und Beugung der Extremitäten, Bewegungsfolge und/oder Atemtechnik) ident sind, kann weder "beides" gleichzeitig geübt, noch "beides" zeitgleich perfektioniert werden.

Die "Fortschritte" in Tai Chi (Chuan), welche man sich durch - detailliertere - "Vorbereitungsübungen" aus Qi Gong erhofft, werden durch "Vermischung" und "Verwässerung" der Prinzipien zunichte gemacht und verwirren zumeist Anfänger noch mehr, anstelle ihnen zusätzliche eine Hilfe zu sein. Sehr häufig werden auch Qi Gong - Übungen in Tai Chi - Kursen "eingebracht", um über mangelnde Auswahl geeigneter Tai Chi - Übungen (beispielsweise: Danlian) hinwegzutäuschen.

Wichtige Ergänzung hierzu: Es spricht jedoch nichts gegen - klassische Chi Kung - Übungen ( aus dem "Yangshen" als "Vorbereitung" und Ergänzung der "Aufbauübungen") welche noch "unverfälscht" vom "modernen Qi Gong" sind, da diese den gleichen Prinzipien wie klassisches Tai Chi Chuan folgen.

Um einen für den "Alpenbewohner" verständlichen Vergleich anzustreben:
"Entweder man fährt meisterhaft Alpinski in den Bergen - oder man ist Langlaufmeister (im Tal)." - Es ist weder sinnvoll mit Langlaufski eine "schwarze Piste" im Hochgebirge befahren zu wollen, noch mit Alpinski kilometerlange Loipen zu bewältigen. Genauso wird es nur äußerst wenige Schilehrer geben, welche beide Sportarten perfekt beherrschen, sowie keine, welche dies auch zeitgleich(!) vermitteln könnten.